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Wann hilft Kinderyoga bei Hyperaktivität und / oder ADHS?

Häufig erlebe ich es als Kinderyogalehrerin in meinen Kursen, dass Kinder neu dazu kommen, weil sie (angeblich) hyperaktiv sind, ADHS vermutet oder attestiert wird und Yoga helfen soll. Helfen, dass sich das Kind beruhigt. Für mich stellt sich häufig bereits innerhalb einer Schnupperstunde heraus, ob Kinderyoga hier wirklich helfen kann. Oder ob die Lösung wo ganz anders liegt.

Was ist ADHS?

Kurz und knapp erklärt, steht ADHS für Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung und soll eine Verhaltensstörung sein, über deren Ursprung man sich aus schulmedizinischer Sicht bis heute immer wieder streitet.

ADHS beschreibt drei wesentliche Merkmale:

  • starke Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen,
  • starke Impulsivität und
  • starke Unruhe (Hyperaktivität).

Grundsätzlich neigen Kinder, die hyperaktiv sind, dazu, sich schlecht über eine lange Zeit mit einer Aufgabe zu beschäftigen und sind dabei unkonzentriert. Sie lassen sich leicht ablenken und sind grundsätzlich sehr unruhig. Diese Unruhe kann sich durch eine innerliche Unruhe zeigen, d.h., dass die Gedanken springen. Häufiger noch zeigt sie sich aber auch als körperliche Unruhe. Auch Impulsivität zeigt sich bei diesen Kindern sowohl auf geistiger, als auch vor allem körperlicher Ebene. Die körperliche Ausprägung ist bei Kindern schon alleine dadurch begründet, weil sie noch stärker mit ihrem Körper verbunden sind und mit ihm zeigen, was innen gerade los ist. Was dann passiert ist, dass Kinder mit diesen Anzeichen einen Stempel aufgedrückt bekommen. Typische Begriffe, wie Zappelphilipp oder Windfang tauchen dann auf, die diese Kinder in Kategorien sortieren. Eine Kategorie, die vermittelt: Da stimmt etwas nicht.

Und was ist überhaupt Kinderyoga?

Yoga grundsätzlich umfasst verschiedene Techniken und Achtsamkeitspraktiken, die man ausüben kann. Mit dem Ziel, Körper und Geist in Harmonie zu bringen. Kinderyoga unterscheidet sich dahingehend vom Erwachsenenyoga, indem diese Techniken und Praktiken auf kindgerechte Weise vermittelt und geübt werden. Einen Schwerpunkt machen dabei Körperübungen aus. Sodass auch die Kinder, wie die Erwachsenen, durch Bewegung und Atmung zu einem besseren Körpergefühl und Bewusstsein für sich kommen.

Drei Kinder, die Kinderyoga machen
Kinderyoga sieht ähnlich aus, wie bei den Erwachsenen. Ist aber noch mehr verknüpft mit Spielen und Geschichten. Bei der Übung auf dem Bild erzähle ich z.B. gerne die Geschichte vom Hund, der gerade Pipi macht. 😄

Prinzipiell kann Kinderyoga folgendes ermöglichen:

  • körperlich (und geistig) flexibel machen
  • die Muskeln stärken
  • die Konzentration erhöhen
  • das Selbstbewusstsein stärken
  • helfen, zur Ruhe zu kommen
  • das Immunsystem stärken
  • die Lebensfreude und Ausgeglichenheit fördern
  • ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln
  • ein besseres Bewusstsein für den eigenen Körper, die Gefühle und Bedürfnisse zu entwickeln
  • Spaß machen

All das KANN Kinderyoga ermöglichen, MUSS es aber NICHT. Denn jedes Kind ist anders. Und genau das ist aus meiner Sicht der springende Punkt.

Müssen Kinder lernen, zur Ruhe zu kommen?

Aus meiner Sicht ist jedes Kind gut, so wie es ist. Ich glaube nicht daran, dass Kinder lernen müssen, sich zu beruhigen. Sondern wir dürfen vielmehr hinschauen, warum ein Kind unruhig ist oder gar Anzeichen von Hyperaktivität und / oder ADHS zeigt. Und sie damit begleiten.

In dem Moment, wo Kinder in die Schule kommen und sich an ein System anpassen müssen, in das irgendwie alle reinpassen sollen, zeigen sich häufig die Symptome als Erstes oder stärker als zuvor in der Kita. Das liegt meistens schon alleine in der Sache begründet, dass der Kita-Alltag viel mehr Bewegung und Aktivität im Allgemeinen bietet. Auch eine Selbstbestimmung ist hier mehr gegeben. Häufig können Kinder im Kita-Alltag wechseln zwischen verschiedenen Aktivitäten, die sie sich selbst aussuchen können und sich ab einem gewissen Alter sogar mehr oder weniger alleine im Außengelände beschäftigen und bewegen. Damit ist in der Schule dann meistens Schluss. Am Vormittag steht Unterricht an und ein Kind, das vorher noch täglich in der Kita rennen und frei spielen konnte, muss nun still sitzen und sich auf eine vorgegebene Sache konzentrieren. Dieser Wechsel stellt nahezu für jedes Kind eine Herausforderung dar. Ganz besonders für Kinder mit ADHS oder ADHS-ähnlichen Anzeichen.

Die Frage, die sich daher stellen sollte, ist also, ob ein Kind lernen soll, zur Ruhe zu kommen, oder ob es gerade das Gegenteil braucht!?

Wann hilft Yoga bei ADHS?

Kinderyoga kann grundsätzlich helfen, dass ein Kind auf spielerische Weise lernt, seine Impulse zu kontrollieren, sich besser zu konzentrieren und zur Ruhe zu kommen. Das steht für mich außer Frage. Doch hier muss man aus meiner Sicht unterscheiden, ob das Kind von Natur aus der Beschreibung von ADHS entspricht, oder ob es sich im Verlaufe seines (jungen) Lebens dahin entwickelt hat. Das ist etwas, was man häufig nur mit Unterstützung von Außen herausfinden kann.

Falls du hier Unterstützung benötigst, lass uns gerne unverbindlich sprechen:

Kinderyoga für Kinder mit hyperaktivem Naturell

Es gibt Kinder, die von Natur aus all das oder vieles von dem mitbringen, was in die Kategorie ADHS passt. Deren Merkmale von Persönlichkeit und Körper genau das sind: Unruhig, kurze Aufmerksamkeit / Konzentration und Impulsivität.

Disclaimer: Dabei ist zu beachten, dass wir hier bitte nicht immer nur auf die vermeintlichen Defizite schauen. Denn genau diese besonderen Merkmale zeichnen solche Kinder aus und machen sie zu spontanen, flexiblen und kreativen Geschöpfen, die diese Fähigkeiten als ihr Talent und Stärke ausleben können sollten.

In dem Moment, wo das Kind ganz natürlich seinen (hyperaktiven) Impulsen folgt, kann Kinderyoga nur bedingt helfen. Diese Kinder haben meiner Erfahrung nach viel mehr damit zu kämpfen, dass sich viel zu viel in ihnen angestaut hat, was raus muss und darf. Insbesondere durch den beschriebenen Schulalltag. Aber unter Umständen ebenso im Alltag zu Hause. Auch wenn diese Kinder meistens nicht umher kommen, ihre Merkmale zu zeigen, bleibt häufig dennoch ein Energie- und Emotionsstau, der losgelassen werden muss. Und das funktioniert größtenteils durch körperliche Aktivität, die mehr sein darf, als Yoga.

Gleichzeitig bietet Kinderyoga auch diesen Kindern drei Vorteile und Möglichkeiten:

  1. Kinder lernen, dass sie genau richtig sind, wie sie sind. Denn beim Kinderyoga (jedenfalls so, wie ich es verstehe und vermittel) darf jede/r so sein, wie er / sie ist.
  2. Sie kommen mit ihrem Körper und Geist sowie ihren Bedürfnissen in Kontakt und bekommen durch Achtsamkeit ein neues Gefühl für diese.
  3. Die Kinder lernen Tools kennen, ihre Impulse zu kontrollieren und

Achtung! Besonders bezüglich des letzten Punktes ist es mir jedoch wichtig zu unterstreichen, dass sich meiner Meinung nach Kinder nicht permanent anpassen sollten! Denn so verlieren sie den Zugang zu ihrem wahren Ich. Dann geht es ihnen wie einem Vogel, der die Flügel gestutzt bekommt, weil er so flattrig damit ist. Das sollte aus meiner Sicht nicht das Ziel sein.

Somit ist mein Fazit für diese Kinder: Ja zu Kinderyoga grundsätzlich und als Möglichkeit, sich selbst und Übungen kennenzulernen. Aber am Schluss bleiben die Merkmale und das Naturell, das gelebt werden will. Und deshalb gehören diese Kinder für mich nicht dauerhaft in einen Kinderyogaunterricht.

Kinderyoga für Kinder mit der erworbenen Form von ADHS

Bei Kindern, die erst im Verlaufe ihres Lebens das Störungsbild von ADHS oder Teile davon aufweisen, sieht die Sache mit dem Kinderyoga wieder ganz anders aus. Diese Kinder sind durch äußere Einflüsse (die Gründe dafür sind vielfältig) in eine Dysbalance geraten. Ihr Körper und / oder mentales System hat sich das angeeignet, was wir unter den Symptomen von ADHS verstehen. Und dabei hat es sich von seinem eigentlichen Naturell wegbewegt.

Hier kann Kinderyoga helfen, neue Strategien zu finden, insbesondere zur Selbstregulierung. Kinderyoga kann Kindern mit der erworbenen Form von ADHS helfen, ihre Impulskontrolle zu verbessern. Durch die strukturierten Bewegungen und Übungen wird sowohl die Achtsamkeit, als auch Entspannung gefördert.

Fazit für diese Kinder: Da die Symptome Anzeichen einer Dysbalance sind, gilt es diese Kinder dabei zu unterstützen und für Ausgleich zu sorgen. Damit sich sowohl auf körperlicher, als auch mentaler Ebene wieder eine Balance herstellen kann. Dabei kann Kinderyoga gut helfen.

Mein Fazit zu der Frage, ob Kinderyoga hyperaktiven ADHS-Kindern helfen kann

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. 😉
Es kommt vor allem darauf an, welche Form von ADHS vorliegt. Aus meiner Sicht nehmen die Faktoren immer mehr zu, die die Symptome von ADHS triggern und zu immer mehr Fällen der erworbenen Variante führen. Für diese Kinder ist Kinderyoga eine gute Möglichkeit, wieder in ihre ursprüngliche Balance zu kommen.

Sollte Kinderyoga diese Kinder jedoch nicht ansprechen, so gibt es daneben viele weitere Möglichkeiten, um die erhöhenden Faktoren zu reduzieren oder von Anfang an vorzubeugen. Dazu zählen der Lebensstil, die Alltagsgestaltung, Schlafgewohnheiten und Ernährung.

Wenn du dir hierbei Unterstützung wünschst, dann buche dir jetzt ein kostenloses Kennenlerngespräch.

Frau auf Sessel

Wer schreibt hier?

Hey, ich bin Sina Kunz und als ganzheitlicher Gesundheits- und Persönlichkeitscoach für Familien unterstütze ich dich und deine Lieben dabei ein gesundes, glückliches Leben zu führen, das euch und eurem Naturell entspricht.

Auf meinem Blog findest du viele Tipps und Inspirationen rund um die Themen Ernährung, Gesundheit, Achtsamkeit und Persönlichkeit. Aber auch über meinen eigenen beruflichen Weg von der Architektin zum Coach und persönlichen Themen liest du hier immer mal wieder.

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2 Gedanken zu „Wann hilft Kinderyoga bei Hyperaktivität und / oder ADHS?“

  1. Liebe Sina!
    Am meisten gefällt mir an deinem Artikel, dass du immer wieder darauf hinweist, dass man die Kinder nicht in eine bestimmte Ecke drängen sollte. Schön, dass dir die Freiheit und Entfaltung jedes einzelnen Wesens am Herzen liegt. Das ist deutlich zu spüren. Deine Arbeit Happy Healthy Family ist so wichtig in dieser Zeit! Ich habe 20 Jahre mit Kindern bei uns am Lebenshof gearbeitet und die Ent-(Ver-)wicklung der letzten Jahre hautnah mitverfolgt. Hier ist sehr viel Bedarf IN den Familien. Was ich immer sehr erschreckend fand, die Terminkalender der Kinder….. Darum fand ich auch schön, dass du schreibst, die Kids müssen nicht zwingend dauerhaft zum Kinderyoga. Dennoch ist Yoga eine wundervolle Möglichkeit so viele Punkte gleichzeitig zu erreichen. Eine wertvolle Arbeit, die du leistest. Liebe Grüße Marianne

  2. Pingback: KW19/2024: Alle TCS-Blogartikel - The Content Society

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